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Tryptichon

Iveta Apkalna legt neue CD aus Neubrandenburg vor

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Links Pēteris Vasks, rechts Franz Liszt, in der Mitte Johann Sebastian Bach. Zu diesem sehr persönlichen Triptychon hat die lettische Organistin Iveta Apkalna ihre drei Herzenskomponisten arrangiert. Die Assoziation eines dreiflügeligen Altarbilds zielt mitten hinein ins Spannungsfeld des Aufnahmeortes: die Marienkirche Neubrandenburg, die 2001 profaniert und als weltlicher Konzertsaal neu beseelt wurde. 2017 weihte Apkalna hier eine neue Orgel ein, die exakt auf der Position des vormaligen Altars errichtet ist. Maßgeblich an ihrer Entwicklung beteiligt, hat sie ihren Klang nun erstmals auf CD festgehalten.

 

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Ihre Repertoireauswahl fußt aber auch auf der spirituellen Grundhaltung der drei Komponisten selbst: dem protestantischen Ur-Musiker Bach, der seine Werke stets mit »soli deo gloria« (Allein Gott zur Ehre) signierte, dem umjubelten Klaviervirtuosen Liszt, der sich im fortgeschrittenen Alter zum katholischen Priester weihen ließ, und dem eng befreundeten Letten Vasks, Sohn eines Baptistenpfarrers. »Alle drei komponieren Gebete«, beschreibt es Iveta Apkalna, »alle drei schauen in dieselbe Richtung: zum Horizont, zur Transzendenz. Nur aus unterschiedlicher Perspektive.«

 

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Zum Horizont blickte auch Iveta Apkalna selbst im Wortsinn – während der vielen langen Spaziergänge im Corona-Lockdown 2020. Die Pandemie legte zwar das Kulturleben lahm, bedeutete für die Organistin aber auch eine Zeit der Reflexion. »Was ist mir wirklich wichtig? Welche Musik spiegelt meine Gedanken und Gefühle am besten wider? Und welche persönliche »Botschaft« möchte ich meinen Zuhörern aus dieser Zeit mitgeben?« Schnell waren die drei Komponisten identifiziert, denen in ihrem Leben eine besondere Bedeutung zukommt. Das Prinzip der Trinität übertrug Iveta Apkalna dann auch auf die jeweilige Werkauswahl. So entstand ein Konzeptalbum, das sich in mehrfacher Hinsicht gleich einem Tryptichon entfaltet.

(Clemens Matuschek, Auszug aus dem Beiheft)