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Iowa City/IA, USA, University of Iowa, School of Music

Neue Klais-Orgel im östlichen Iowa

Als im Juni 2008 der Osten Iowas von heftigen Überflutungen heimgesucht wurde, versanken auch viele Gebäude der University of Iowa in den Wassern des Iowa Rivers. Das Voxman Music Building stand bis zum ersten Stock im Wasser, in der Clapp Recital Hall schwappten die Fluten über die Bühne, und alle Kelleräume liefen voll. In der Folge wurde entschieden, mit der School of Music an einen neuen Standort im Stadtzentrum umzuziehen, der 'auf der sicheren Seite' (also höher) zu liegen versprach. Das neue Gebäude wurde um die Konzerthalle mit 700 Sitzplätzen herum geplant.

 

 

Nachdem offensichtlich geworden war, dass die tropfnassen Überbleibsel der alten Konzertorgel den Umzug ohnehin nicht überleben würden, eröffnete die Universität 2012 einen Wettbewerb zum Bau einer neuen Konzertorgel. Schon beim ersten Zusammentreffen mit Gregory S. Hand, Assistant Professor of Organ, im Rahmen dieser Ausschreibung wurde klar, dass die neue Orgel nicht einfach eine weitere universelle Konzertorgel werden würde. 2014 schrieb er in einer Zusammenfassung über das Projekt:

 

"Die neue Konzertorgel, die 2016 fertig werden wird, wird sowohl auf nationaler wie auch auf internationaler Ebene ein bedeutsames Instrument werden. Sie wird die erste Orgel in den Vereinigten Staaten sein, die mit dem Vorbild der deutsch-romantischen Orgelbautradition (1850-1900) konzipiert ist. Diese Orgeln sind charakterisiert durch einen singenden klaren Ton, eine verschwenderische Fülle schöner Klangfarben und vor allem durch eine große klangliche Gravität.

 

 

Nach der industriellen Revolution haben viele Orgelbauer ihre jahrhunderte-alte Tradition aufgegeben, um neue Technologien in ihre Instrumente zu integrieren: pneumatische Trakturen, elektrische Schaltungen und sehr hohe Winddrücke. Dies war im Deutschland der zweiten Hälfte des Neunzehnten Jahrhunderts noch nicht der Fall, wo man an der traditionellen Bauweise voll-mechanischer Orgeln festhielt bis nahe an die Jahrhundertwende. Die neue Orgel der Universität wird diese Tradition widerspiegeln; sie wird eine Orgel werden, wie sie sowohl von Bach als auch von Liszt (an)erkannt worden wäre.

 

 

Im Gegensatz zur französisch-romantischen Orgel, die durch das Wirken eines einflussreichen Orgelbauers weitgehend standardisiert war, wurden Orgeln in Deutschland nach wie vor in vielen unterschiedlichen Personalstilen gebaut. Diese fehlende Vereinheitlichung hat viele moderne Orgelbauer davon abgehalten, sich diesen Orgelstil zum Vorbild zu nehmen – nicht zuletzt wegen des Zeitaufwands, der notwendig ist, um derart unterschiedliche Instrumente und Orgelbauer zu verstehen.

 

 

[…] Nach mehreren Forschungsreisen hat sich ein Instrument herauskristallisiert, das als Ausgangspunkt für die neue Orgel der University of Iowa dienen soll: die Orgel des Schweriner Doms, erbaut von Friedrich Ladegast 1868. Ladegasts Meisterwerk hat die Jahre wunderbarerweise ohne Veränderung überstanden und hat auf die Planung unserer neuen Orgel einen großen Einfluss ausgeübt."

 

Handzug zur manuellen Schwellerbetätigung

 

Craig Cramer, Professor of Organ an der University of Notre-Dame, fungierte als externer Sachverständiger während des ganzen Projekts. Wir möchten ihm unseren umfassenden Dank aussprechen für seinen fundierten und kenntnisreichen Beitrag zum Gelingen dieses Orgelbaus.

 

Pfeifenwerk I. Manual

 

Pfeifenwerk I. Manual

 

Pfeifenwerk II. Manual

 

Die Orgel wurde am 10. Februar 2017 offiziell eingeweiht. Der britische Konzertvirtuose Kevin Bowyer spielte Kaikhoshru Sorabjis Zweite Symphonie. Das Werk aus den Jahren 1929-32 zählt wohl zu den technisch anspruchsvollsten Orgelkomposition, die je geschrieben wurden, und ist wahrscheinlich auch die längste.

 

 

Eine vollständige Aufführung aller drei Sätze dauert etwa 8 1/2 Stunden. Unseres Wissens nach war dies erst die dritte vollständige Aufführung des Werkes, alle durch Kevin Bowyer. Hier können Sie die 90 letzten Sekunden von insgesamt 30.600 miterleben:

 

 

Wir freuen uns berichten zu können, dass diese seltenen Weltklasse-Aufführung ein großes Publikum aus dem ganzen Land nach Iowa City brachte. Gegen Ende war die Konzerthalle nahezu voll besetzt! 

 

 

zur Disposition...

 

zur Musik...

 

zum Poster...

 

Zwei kurze Filme der Universität in englischer Sprache:

 

 

 

 

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