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Übersicht

Zwillbrock/DE, St. Franziskus

Barocker Glanz im westlichen Münsterland  

 

Die Zwillbrocker Orgelgeschichte beginnt in nebulösem Dunkel. Weder Erbauer noch genaues Baujahr sind bekannt. Nachdem die Orgel lange Zeit dem Herforder Meister Christian Klausing zugeordnet worden war, lassen neuere Forschungen eher eine Urheberschaft der Vredener Werkstatt von Mauritz Hermann Böntrup bzw. dessen Schwiegersohn Theodor Martens vermuten. Erbaut wurde die Orgel sehr wahrscheinlich kurz nach Fertigstellung der Kirche im Jahre 1720.

 

 

Eine tiefgreifende Veränderung erfuhr die Orgel 1880/82 durch Josef Laudenbach aus Dülmen. Er baute neue Windladen und ersetzte einen Teil des Pfeifenwerks. Die größte Veränderung brachte aber eine "Rückführung" durch Paul Ott, Göttingen, 1962-65 mit sich. Im Zuge dieser Maßnahme wurden Windversorgung, Windladen, Spieltraktur, Spieltisch und das ganze Pedalwerk neu gebaut. Erhalten blieben das wunderbare Gehäuse mit den originalen Prospektpfeifen sowie etwa ein Drittel des historischen Pfeifenwerks - allerdings durch Ott stark verändert. Im Grunde baute er eine neue Orgel.

 

originale Prospektpfeife des oberen Mittelturms aus Blei,
Körper foliert und lackiert, Labien vergoldet

 

Bei der Erarbeitung eines Sanierungskonzeptes ging es also in erster Linie um die Frage nach Rekonstruktion des vermuteten Originalzustandes (nichts anderes hatte Ott ja schon versucht, nur auf Basis anderer Vermutungen) oder Erhalts des musikalisch wertvollen Instruments von Ott. Aufgrund der weitestgehend fehlenden Quellen zum Originalzustand entschloss man sich für die Sanierung der bestehenden Ott-Orgel. Ein Hauptaugenmerk lag bei diesen Arbeiten auf der gründlichen Beseitigung des allerorten als Isolier- und Dichtmaterial eingesetzten Schaumstoffes bzw. dessen Reste, die sich in allen Windwegen der Orgel wiederfanden.

 

 

Das Pfeifenwerk wurde ausgereinigt und gerichtet. Wie in vielen historischen Orgeln zeigte sich auch in Zwillbrock in den vergangenen Jahren vermehrt Bleikorrosion. Befallenen Stellen wurden ausgeflickt unter weitgehender Schonung des Originalmaterials. Die Intonation wurde unter Wahrung der Ottschen Charakteristiken behutsam überarbeitet. Die meisten Lederteile, Balgbespannungen, Ventildichtungen, Pulpeten etc. mussten erneuert werden. Die Mechanik wurde neu reguliert, der Spieltisch überarbeitet und gereinigt.

 

 

Heute präsentiert sich die Ott-Orgel wieder als ungemein farbenreiches und vielseitiges Instrument einer häufig ungeliebten Epoche des Orgelbaus.

 

 

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