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Detektivspiel um ein Firmenschild

Firmenschild unbekannter Herkunft schmückt Werkstatttür

Als im Januar 2013 der Büroraum des Werkmeisters zu einem weiteren Intonationsraum umgebaut wurde, tauchte in einem Regal ein altes Firmenschild auf, damals noch unrestauriert:

 

 

Seitdem schmückt es - nun frisch restauriert - die Tür zu diesem Intonationsraum.

 

Soweit, so gut. Doch wo stammt es her? Die eingestempelte Opuszahl 940 verweist auf die Orgel der Michaelskirche in Sohren/Hunsrück, erbaut 1939. Allein, dieses Instrument hat noch seinen originalen Spieltisch (der im Übrigen von 1903 stammt, wie auch der größte Teil der Sohrener Orgel).

 

 

Auf der Rückseite des Trägerbrettchens findet sich ein handschriftlicher Vermerk "aus Bonn Münsterkirche". Doch die Münsterorgel trug die Opusnummer 937. Große Teile dieses Instruments einschließlich des Spieltisches wurden gegen Ende des Krieges zerstört. Als man Anfang der 50er Jahre aus den geborgenen Resten ein Interimsinstrument mit 29 Registern zusammenstellte, bekam das Werk einen neuen Spieltisch.

 

Bonn, Münster, Notorgel, seit 1961 in Bonn St. Michael

 

Eine neue Opusnummer wurde nicht vergeben. Zwar ist es vorstellbar, dass man damals nach den Wirren des Krieges und dem Verlust unseres Archives Ende 1944 die Nummer aus der Erinnerung rekonstruierte und dabei knapp daneben lag. Aber auch dieses Instrument mitsamt Spieltisch überlebte in der Bonner Kirche St. Michael. Also vorstellbar, aber leider auch nicht wahr.

 

Ungewöhnlich ist auch die Größe des Brettes. Normalerweise fanden sich diese Firmenschilder zwischen den Manualen. Mit fast 9 cm Höhe hätte dieses nirgendwo zwischen gepasst. Es kommt also nur ein großer, viermanualiger Spieltisch in Frage. Hier fand sich das Schild meistens über dem vierten Manual.

 

Essen-Rüttenscheid, St. Ludgerus, Opus 930, 1940

 

Die Form des Schildes mit der Opusnummer links neben dem Namenszug deutet auf ein Baujahr zwischen 1938 und ca. 1955 hin. Allerdings waren viele der größeren Spieltische dieser Jahre schwarzbraun gebeizt bzw. lackiert, so dass sie kaum in Frage kommen. Erschwerend kommt hinzu, dass die meisten der letzten Großorgeln vor dem Krieg denselben nicht überlebt haben.

 

So stehen wir selbst vor einem Rätsel. Aber wir bleiben dran!

 

 

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