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Appenweier, St. Michael

Die Pfarrkirche in Appenweier besticht durch ihre einheitliche Ausstattung aus der Zeit des Rokoko, alle wesentlichen Ausstattungsstücke der Kirche sind original und bestechen durch ihre gestalterische Geschlossenheit.

 

Die bisherige Orgel ist ein mehrfach umgebautes Instrument. Ursprünglich 1860 von Jacob Forell als einmanualiges Instrument mit mechanischen Kegelladen erbaut, wurde die Orgel 1937 von M. Welte und Söhne, Freiburg, elektrifiziert und auf zwei Manuale erweitert. Auch das neubarocke Gehäuse ist in Teilen von Welte neu angefertigt worden. Der Umbau von 1937 hat die Forell-Orgel bis zur Unkenntlichkeit verändert, wobei die Rekonstruktion der kleinen Orgel möglich wäre. Deshalb wird das Instrument dokumentiert und in Appenweier eingelagert.

 

Die Ausschreibung von 1999 forderte ein Konzept für eine neue Orgel. Die Architektur des Gehäuses sollte sich in den Raum integrieren, ohne sich neobarock anzubiedern, ehrlich und ablesbar, in der Idee des Raumes, aber keine Stilkopie.

Der Orgelentwurf nimmt ein Gestaltungsprinzip des Hochaltars auf, wo ein offener barocker Aufbau die Schauseite bildet, eine durch Säulen gegliederte und mit Ornamenten verbundene Architektur, im Grundriss bewegt. Diese Idee zitiert unser Orgelentwurf, übersetzt in eine zeitgemäße Formensprache: freistehende Lisenen mit einfachen Profilen bilden einen im Grundriss in konvexer und konkaver Abwicklung, der vom Stuck über der Empore vorgegeben ist. Die Zwischenfelder sind von den Prospektpfeifen des Principal 8' und Dekorteilen aus Messing gebildet, das Gehäuse selbst wird aus geräucherter Eiche gebaut.

 

Die Disposition mit ihren 17 klingenden Registern orientiert sich an der Klanglichkeit der früheren Forell-Orgel. Das Hauptwerk der Orgel wird von Principalen gebildet, nach süddeutscher Tradition aus einem Chor mit gleichbleibender Mensur. Dazu kommen Solostimmen wie Flöten, Streicher und der hochgebänkte Cornet. Das Schwellwerk weist ausschließlich Charakterstimmen auf, ist so die Ergänzung der Orgel in den lyrischen Pianobereich hinein. Mit ihm zusammen steht das Pedal auf einer Zwillingslade, wobei die beiden labialen Stimmen die Orgelrückwand bilden, die Zunge dagegen mit im Schwellkasten steht.

 

Ganz traditionell ist die weitere technische Realisierung geplant: Die Spiel- und Registertraktur wird mechanisch, ein großer, zentraler Doppelfalten-Magazinbalg übernimmt die Windversorgung.

 

Der Bau der Orgel in der Werkstatt hat angefangen. Abbau und Einlagerung der alten Orgel auf dem Kirchendachboden soll im Juli 2005 erfolgen, um die Renovierung des Fußbodens auf der Empore durchführen zu können. Bis Ende 2005 soll die Orgel fertig sein.

 

Hans-Wolfgang Theobald, Orgelbau Johannes Klais, Bonn

 

 

Zur Disposition ...

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